Each-Way-Wette bei Pferdewetten – wie die Doppelwette funktioniert und wann sie Sinn ergibt

Galopprennen-Zieleinlauf mit mehreren Pferden auf den vorderen Plätzen

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Each Way – eine Wette, zwei Chancen

Die erste Each-Way-Wette, die ich abgegeben habe, war ein glücklicher Zufall. Ich wollte eigentlich eine Siegwette platzieren, aber der Schalter in Iffezheim fragte mich, ob ich „Sieg oder Each Way“ wolle – und ich sagte Each Way, ohne genau zu wissen, was das bedeutete. Mein Pferd wurde Zweiter. Beim Festkurs hätte ich alles verloren. Mit Each Way bekam ich eine Platzauszahlung, die meinen Einsatz mehr als deckte. Seitdem ist Each Way fester Bestandteil meines Wettrepertoires.

Die Each-Way-Wette ist im Kern keine einzelne Wette, sondern zwei Wetten in einer. Der erste Teil ist eine Siegwette – Ihr Pferd muss gewinnen, damit dieser Teil zahlt. Der zweite Teil ist eine Platzwette – Ihr Pferd muss unter den ersten zwei, drei oder vier ins Ziel kommen, je nach Feldgröße und Anbieter. Sie zahlen also den doppelten Einsatz: Wenn Sie 10 Euro Each Way setzen, kostet Sie das 20 Euro – 10 Euro auf Sieg und 10 Euro auf Platz.

Was die Each-Way-Wette strategisch interessant macht: Sie federt das Risiko ab, ohne die Chance auf den vollen Sieggewinn zu verlieren. Wenn Ihr Pferd gewinnt, kassieren Sie beide Teile – die volle Siegquote plus die Platzquote. Wenn es „nur“ platziert wird, verlieren Sie den Siegteil, bekommen aber den Platzteil zurück. Nur wenn es völlig aus den Rängen fällt, verlieren Sie den gesamten Einsatz.

So wird die Each-Way-Wette abgerechnet

Die Abrechnung der Each-Way-Wette verwirrt Anfänger oft, weil die Platzquote nicht separat angezeigt wird. Stattdessen wird sie aus der Siegquote abgeleitet – und hier liegt der Teufel im Detail.

Beim Festkurs funktioniert es so: Die Platzquote ist ein festgelegter Bruchteil der Siegquote, typischerweise ein Viertel oder ein Fünftel. Bei einem Rennen mit acht oder mehr Startern liegt der Platzfaktor meist bei einem Viertel. Das bedeutet: Bei einer Siegquote von 10,0 beträgt die Platzquote 2,50. Bei einer Siegquote von 6,0 liegt die Platzquote bei 1,50.

Beim Totalisator gelten andere Regeln. Dort wird der Platzpool separat berechnet, und die Platzquote hängt davon ab, wie viele Wetter auf dasselbe Pferd zur Platzierung gesetzt haben. Die Ausschüttungsquote im Totalisator liegt je nach Wettart zwischen 70 und 85 Prozent, was bedeutet, dass der Platzpool einen eigenen Einbehalt hat. Die Platzquoten im Toto sind oft anders als beim Festkurs – manchmal besser, manchmal schlechter.

Ein Punkt, den viele übersehen: Die Platzquote ist immer niedrig. Das liegt in der Natur der Sache – die Wahrscheinlichkeit, unter den ersten drei zu landen, ist deutlich höher als zu gewinnen. Deshalb ist die Each-Way-Wette kein Instrument zum Reichwerden, sondern ein Instrument zur Risikoreduktion. Sie akzeptieren eine geringere Gewinnspanne im Austausch für eine höhere Trefferquote. In meiner eigenen Bilanz machen Each-Way-Wetten etwa 25 Prozent aller Pferdewetten aus – und sie sind der stabilste Teil meines Portfolios. Nicht die profitabelste Wettart pro Treffer, aber die zuverlässigste in Bezug auf Drawdown-Vermeidung. Gerade in Phasen, in denen reine Siegwetten eine Durststrecke durchlaufen, halten die Platzteile meiner Each-Way-Wetten die Bankroll am Leben.

Wann lohnt sich Each Way? – Feldgröße und Quotenverhältnis

Ich sage meinen Wettfreunden immer: Each Way ist wie eine Versicherung – manchmal sinnvoll, manchmal Geldverschwendung. Die Frage ist nicht, ob Each Way generell gut oder schlecht ist, sondern ob es in einer konkreten Situation Wert bietet.

Feldgröße ist der erste Prüfstein. Bei kleinen Feldern mit fünf oder sechs Startern lohnt sich Each Way selten. Die Platzquoten sind so niedrig, dass der Platzteil kaum den Einsatz zurückbringt – und Sie zahlen den doppelten Grundeinsatz. In einem Sechserfeld mit zwei Platzplätzen hat jedes Pferd rein rechnerisch eine Platzchance von 33 Prozent. Die Platzquote spiegelt das wider und liegt entsprechend tief.

Bei großen Feldern ab zehn Startern – und im deutschen Galopprennsport lag die durchschnittliche Starterzahl 2025 bei 8,40, wobei Handicap-Rennen oft deutlich mehr Starter haben – wird Each Way interessanter. Drei oder sogar vier Platzplätze bei 14 Startern? Da wird die Platzquote attraktiver, und die Versicherungskomponente der Wette gewinnt an Wert.

Der zweite Prüfstein ist das Quotenverhältnis. Each Way rechnet sich vor allem bei mittleren bis hohen Quoten – Pferde im Bereich 8,0 bis 20,0. Bei einem klaren Favoriten mit einer Quote von 2,0 ist der Platzteil so minimal, dass die Doppelwette keinen Sinn ergibt. Bei einem extremen Außenseiter mit Quote 50,0 ist die Platzchance so gering, dass auch der Platzteil riskant wird. Der Sweetspot liegt dazwischen – Pferde, die keine Favoriten sind, aber eine realistische Chance haben, vorne mitzulaufen. In meiner eigenen Praxis setze ich Each Way fast ausschließlich bei Quoten zwischen 8,0 und 18,0 ein – darunter ist die Platzquote zu mager, darüber wird auch die Platzierung zum Glücksspiel.

Rechenbeispiel: Each Way vs. reine Siegwette

Machen wir die Rechnung konkret. Rennen mit 12 Startern, drei Platzplätze, Platzfaktor ein Viertel der Siegquote. Ihr Pferd hat eine Siegquote von 12,0. Einsatz: 20 Euro Each Way, also 40 Euro gesamt.

Fall 1 – Das Pferd gewinnt. Siegteil: 20 Euro mal 12,0 gleich 240 Euro. Platzteil: 20 Euro mal 3,0 gleich 60 Euro. Gesamtrückfluss: 300 Euro. Gewinn: 260 Euro. Bei einer reinen Siegwette von 40 Euro wären es 480 Euro Rückfluss, also 440 Euro Gewinn. Die Each-Way-Wette bringt 180 Euro weniger – das ist der Preis der Absicherung.

Fall 2 – Das Pferd wird Zweiter. Siegteil: verloren, minus 20 Euro. Platzteil: 20 Euro mal 3,0 gleich 60 Euro. Gesamtrückfluss: 60 Euro. Gewinn: 20 Euro. Bei einer reinen Siegwette: alles verloren, minus 40 Euro. Die Each-Way-Wette rettet nicht nur den Einsatz, sondern bringt sogar einen kleinen Gewinn.

Fall 3 – Das Pferd wird Fünfter. Sowohl Sieg- als auch Platzteil verloren. Minus 40 Euro. Identisch zur reinen Siegwette – allerdings haben Sie 40 Euro statt 20 Euro riskiert.

Die Kernfrage lautet also: Wie wahrscheinlich ist es, dass Ihr Pferd platziert wird, ohne zu gewinnen? Wenn Sie ein Pferd sehen, das eine realistische Chance auf Platz zwei oder drei hat, aber gegen den Favoriten kaum gewinnen kann, ist Each Way die logische Wahl. Wenn Sie glauben, dass das Pferd entweder gewinnt oder gar nicht in die Nähe der Plätze kommt, ist eine reine Siegwette effizienter. Mehr dazu, wie Sie die verschiedenen Wettarten strategisch einsetzen, finden Sie im Wettarten-Überblick.

Ab welcher Feldgröße ist eine Each-Way-Wette sinnvoll?

Each Way wird ab etwa acht bis zehn Startern interessant, weil dort drei Platzplätze vergeben werden und die Platzquoten attraktiver ausfallen. Bei kleinen Feldern mit fünf oder sechs Startern sind die Platzquoten in der Regel zu niedrig, um den doppelten Einsatz zu rechtfertigen.

Wird die Each-Way-Quote vom Anbieter festgelegt?

Beim Festkurs ja – der Platzfaktor ist typischerweise ein Viertel oder ein Fünftel der Siegquote. Beim Totalisator wird die Platzquote separat aus dem Platzpool berechnet und hängt davon ab, wie viele Wetter auf dasselbe Pferd platziert haben.

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